MY TURN - Frauen mit Migrationserfahrung starten durch

„Jetzt sind wir dran“ im wahrsten Sinne des Wortes

In einem Aufnahmestudio in Hamburg erzählen Frauen mit Migrationserfahrung ihre Geschichten. Von Neuanfängen, Zweifeln und dem Mut, weiterzumachen. Ein Podcast, der andere Frauen ermutigen soll und es auch tut.

Das Mikrofon ist an, die Aufnahme läuft. Zwei Frauen sitzen im Studio der SBB Kompetenz gGmbH in Hamburg. Es herrscht eine konzentrierte Stille, bis eine der beiden tief Luft holt und anfängt zu erzählen. Von ihrer Ankunft in Deutschland, von Hindernissen und Erfolgen, von Mut und Verzweiflung. Es ist ihre Geschichte. Und sie bekommt jetzt Gehör, im wahrsten Sinne des Wortes.

„Frauen im Fokus – Jetzt sind wir dran“: So heißt der Podcast des MY TURN-Projektverbunds SBB Kompetenz gGmbH und IN VIA Hamburg e.V. Er erzählt die Geschichten hinter den Projekterfolgen, zeigt die Wege der Teilnehmerinnen – in ihren eigenen Worten. 

„Es geht um die Frauen, um ihre Geschichten, ihre Biografien, ihre Herausforderungen. Wir wollten ihnen eine Bühne geben und das in einem Format, das wirklich ihnen gehört“, sagt Bahar Köse, Projektleitung des MY TURN-Projekts „Jetzt bin ich dran!“ der SBB Kompetenz gGmbH in Hamburg Bergedorf, die den Podcast mit ihrem Team und IN VIA e.V. ins Leben gerufen hat.

Frauen im Fokus von Anfang an

Die Idee stand schon im Projektkonzept: „Jetzt bin ich dran!" sollte einen Podcast bekommen. Doch die Umsetzung ließ auf sich warten. Das Team hatte alle Hände voll zu tun: Workshops organisieren, Frauen beraten, Netzwerke aufbauen. Die Podcast-Produktion braucht Technik, Zeit und Kapazitäten - alles knapp in einem laufenden Projekt.

Als sich die erste Förderperiode dem Ende zuneigte und die Verlängerung um weitere drei Jahre feststand, kam der richtige Zeitpunkt: Eine Fachveranstaltung sollte drei Jahre Projektarbeit sichtbar machen und Bilanz ziehen, mit dem Podcast als zentralem Element. 

„Wir haben uns gefragt: Wie können wir den Frauen anders eine Stimme geben?“, erinnert sich Bahar Köse. „Nicht nur durch Zahlen, Daten und Fakten auf der Bühne, sondern durch ihre eigenen Worte.“ Die Kooperation mit dem Teilvorhabenpartner IN VIA e.V. und die Unterstützung durch das Marketing-Team der SBB Kompetenz gGmbH machten es möglich: Ein professionelles Studio, technische Expertise und jahrelange Erfahrung in der Podcast-Produktion standen bereit.

Mut braucht Vertrauen

Die eigene Geschichte öffentlich zu erzählen, erfordert Mut. Besonders, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist und die eigene Biografie von Flucht, Neuanfang und Unsicherheit geprägt ist. „Manche Frauen haben sofort zugesagt. Andere brauchten Zeit, um sich zu trauen“, erzählt Bahar Köse. „Aber alle, die zusagen, haben eine gemeinsame Motivation: Sie wollen andere Frauen ermutigen.“

Entscheidend für den Erfolg war die Vertrauensbasis. Die Coaches, die die Interviews führten, begleiteten die Interviewpartnerinnen seit längerer Zeit. Sie hatten gemeinsam Lebensläufe geschrieben, Bewerbungen vorbereitet, Rückschläge verarbeitet. Das machte es den Teilnehmerinnen leichter. Vor der Aufnahme gab es ausführliche Vorgespräche. Was möchte die Teilnehmerin erzählen, was lieber nicht? Soll ihr Gesicht zu sehen sein oder nur die Stimme zu hören?

„Wir haben so lange gesprochen, bis sich alle sicher und wohl fühlten“, erzählt Bahar Köse, die selbst eine Folge moderiert und das Intro eingesprochen hat. „Es war für beide Seiten das erste Mal im Studio. Aber genau deshalb hat es funktioniert, weil wir uns kannten.“

Kein Weg gleicht dem anderen

Es gibt nicht nur die eine Geschichte, die besonders bewegt. Jede Frau hat ihre eigene. Sie kommen aus 46 verschiedenen Herkunftsländern, wie Syrien, Afghanistan, Ukraine oder Ghana. Manche sind Ende 20, andere über 50 Jahre alt. Manche haben eine akademische Ausbildung, andere hatten nie die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Manche Frauen sind alleinerziehend und haben acht Kinder, andere sind mit Partner*innen nach Deutschland gekommen.

„Wenn ich mir die Podcast-Folgen zu Ende angehört habe, saß ich manchmal da und dachte: Respekt“, sagt die Projektleiterin. „Wirklich Respekt. Das können wir uns teilweise gar nicht vorstellen.“ Und genau darum geht es: Die Vielfalt sichtbar zu machen. Die Unterschiede zu zeigen und gleichzeitig das Gemeinsame: Den Mut, neu anzufangen. Die Entschlossenheit, eine Zukunft zu gestalten. Für sich, aber oft vor allem für die eigenen Kinder.

Mut macht Mut

„Ich möchte auch eine Message mitgeben“, haben fast alle Frauen im Vorgespräch gesagt. Sie wollen andere Frauen erreichen, die in ähnlichen Situationen sind, die sich vielleicht nicht trauen, den ersten Schritt zu gehen. „Traut euch. Macht den Anfang. Holt euch Unterstützung“, lautet fast immer die Botschaft. „Für mich hat es funktioniert. Warum sollte es für euch nicht auch funktionieren?“

Der Podcast ist viel mehr als ein Format, um die Erfolge des Hamburger Projekts zu dokumentieren und zu zeigen. Das ist Empowerment im eigentlichen Sinne: Frauen stärken Frauen. Und das kommt an, denn die Download- und Streaming-Zahlen steigen stetig. Auch wenn der Podcast noch jung ist - die ersten Folgen wurden im November 2025 aufgenommen, gelauncht wurde Anfang 2026 - wächst die Resonanz, weil Menschen die Folgen in ihren Netzwerken, im Freundeskreis und auf Social Media teilen und verbreiten.

„Alle in meinem Freundeskreis haben sich den Podcast angehört“, erzählt Bahar Köse. „Und alle sagten: Wow, jetzt bekommen sie wirklich eine Stimme, im wahrsten Sinne des Wortes.“

Der Podcast blickt nicht nur zurück auf drei Jahre „Jetzt sind wir dran!". Er markiert den Auftakt der zweiten Förderperiode bis Ende 2028. Weitere Folgen sind geplant, weitere Geschichten, weitere Wege. „Wir haben den Anfang gemacht", sagt Bahar Köse. „Und das soll jetzt weiterleben."

Der Podcast „Frauen im Fokus – Jetzt sind wir dran“ ist hier sowie auf vielen anderen Podcast-Plattformen verfügbar. Hören Sie rein und lassen sich inspirieren - und ermutigen.

Mehr zum Projekt erfahren Sie im Projektsteckbrief Jetzt bin ich dran! Zugewanderte Frauen starten beruflich durch. 

Jetzt für den MY TURN-Newsletter anmelden!