MY TURN - Frauen mit Migrationserfahrung starten durch

Lunch & Learn zu Traumasensibler Beratung im Kontext von MY TURN

Beim nunmehr 11. Lunch & Learn der Vernetzungsstelle MY TURN stand der Umgang mit psychisch belasteten oder traumatisierten Teilnehmerinnen in der Beratungsarbeit der MY TURN-Projekte im Mittelpunkt. Dabei wurden spezifische Fragen beleuchtet, die für die Projektarbeit von entscheidender Bedeutung sind.
Die MY TURN-Berater*innen beschäftigen vor allem die folgenden Fragen: Wie können Traumasymptome frühzeitig erkannt und richtig interpretiert werden? Welche Rolle spielt das Thema Trauma im Kontext der Beratungsarbeit? Und wie können wir die Teilnehmerinnen bestmöglich unterstützen, ohne dabei ihre Grenzen zu überschreiten? Welche Techniken/Methoden zur Selbsthilfe können wir den Teilnehmerinnen in Akutsituationen an die Hand geben? Wie können wir uns als Beraterinnen selbst schützen und unsere eigene Gesundheit im Umgang mit Traumatisierten bewahren?
Dr. phil. Dima Zito, Expertin auf dem Gebiet der Traumabewältigung, lieferte den Berater*innen wertvolle Einblicke, Empfehlungen und Antworten auf die eingereichten Fragen. Sie vermittelte nicht nur ein tiefes Verständnis für die Entstehung und Entwicklung von Traumata, sondern auch konkrete Strategien zur traumasensiblen Beratung.

 

Die besondere Situation der MY TURN-Teilnehmerinnen

Die spezielle Situation der MY TURN-Teilnehmerinnen, also neu nach Deutschland zugewanderten Frauen, birgt eine Vielzahl von Herausforderungen und Belastungen. Der Verlust des vertrauten Umfelds, der Familie und Freunde sowie die Suche nach einem Platz in der Welt können zu existentieller Unsicherheit führen. Fremdheit, sowohl in Bezug auf Sprache als auch auf kulturelle Codes, verstärkt diese Gefühle zusätzlich. Hinzu können Sorgen um Zurückgebliebene, unerfüllbare Aufträge wie die Familienversorgung und schwierige Lebensbedingungen in Unterkünften kommen.
In dieser emotional vielschichtigen und oft belastenden Situation sind Fachkräfte gefordert, traumasensibel und unterstützend zu agieren. Es gilt, die existentiellen Herausforderungen zu erkennen und zu verstehen, wann diese zu behandlungsbedürftigen psychischen Belastungen werden können. Traumatische Erfahrungen, wie die Konfrontation mit Tod, schwerwiegenden Verletzungen oder Gewalt, können langfristige Folgen haben und bedürfen spezifischer Behandlung.

 

Relevante Empfehlungen für die tägliche Arbeit

Besonders relevant waren die praktischen Empfehlungen der Expertin für die tägliche Arbeit in den MY TURN-Projekten. Diese umfassten Strategien zur Sicherheitsgewährleistung, Stressbewältigung und den Aufbau von positiven Selbstbildern bei den Teilnehmerinnen. Gleichzeitig betonte sie die Wichtigkeit der Selbstfürsorge und des Selbstschutzes für die Berater*innen, um auch langfristig effektive Unterstützung leisten zu können.
Die Diskussion während des Lunch & Learn war erkenntnisreich und bot konkrete Ansätze für eine traumasensitive Beratung in den MY TURN-Projekten. Durch den Austausch von Erfahrungen und Good Practices wurden die Teilnehmenden ermutigt, ihre Beratungsansätze weiterzuentwickeln und den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmerinnen weiter gerecht zu werden.

 

Weiterführende Informationen:

„Praxisleitfaden: Traumasensibler und empowernder Umgang mit Geflüchteten“der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer – BAfF e.V.

Publikationen der Impulsgeberin Dr. Dima Zito:

  •  „Selbstfürsorge und Schutz vor eigenen Belastungen für Soziale Berufe“, 2020.
  • „Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen. Ein Leitfaden für Fachkräfte und Ehrenamtliche“, 2016.

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